Tag 23 … Wetterwechsel

8 Uhr war ich froh, dass die Nacht vorbei war. Obwohl sie für mich erst 2:30 Uhr wirklich begonnen hatte.

Bis dahin sind irre Norweger auf Mopeds immer wieder zwischen Fähranleger und Ort hin und her gerast.

Direkt beim Frühstück explodiert die gereizte Stimmung. Innerhalb von 5 Minuten streitet jeder mit jedem. Auch Teo bleibt nicht verschont.

Einzige Rettung: Fahrtwind. Und tatsächlich, Bertha hat eine Schmollecke für jeden. Ronny allein in der Fahrerkabine, ich am Tisch, die Kinder in getrennten Betten, Teo angeleint im Flur. Schweigen.

Wir nehmen Kurs auf Odda und quälen uns durch die letzten Fjordkurven.

Die Kinder sprechen wieder miteinander.

Was da vorn wie ein Erdrutsch aussieht, sind Baumaßnahmen am Wasserfall. Das Foto erfordert etwas Teamwork. Ronny und ich müssen uns notgedrungen abstimmen.

Sein hämisches Grinsen, weil ich beim Fotografieren nass werde, entgeht mir nicht.

Dennoch, kein Grund miteinander zu sprechen!

Ein 11 Kilometer langer Tunnel verschluckt uns.

Das ist für alle immerhin so interessant, dass wir uns gemeinsam in der Fahrerkabine wiederfinden.

Als wir das Tageslicht der anderen Seite erblicken, entdecken wir einen Gletscher.

Wir wollen es besser machen als gestern und halten schon kurz nach 13 Uhr Ausschau, wo wir übernachten können.

Die Overlander-App bietet 10 km abseits vom Weg Interessantes am See. Die Straßenbeschreibung allerdings lässt zu wünschen übrig.

Wir zuckeln mit Bertha einen kleinen Serpentinenweg hinauf in die Berge. Da dieser Badeplatz vor allem bei Einheimischen beliebt zu sein scheint, ist er relativ voll. Und jeder zweite hat einen Hund dabei, was mit dem zerrenden und bellenden Teo anstrengend ist.

Ben und Ronny verschwinden ins kühle Nass. Sie sprechen wieder miteinander.

Ronny will gleich übernachten. Ich will weiter. Brüllend stellt sich heraus, dass wir beide komplett andere Vorstellungen von den letzten Tagen vor der Fähre haben.

Während ich Kilometer machen wollte, um in der Nähe von Kristiansand ein paar fahrfreie Tage mit kindgerechten Unternehmungen zu verleben, eröffnet Ronny mir, dass ihn das Fahren nicht störe und er keine weiteren Aktivitäten plane.

Achso.

Obwohl ich also einlenke, wir meinetwegen hier bleiben können, verstaut Ronny alles und tritt aufs Gaspedal. Gut, nun braucht er mit mir gar nichts mehr besprechen. Nichtmal in meine Richtung atmen.

Etwas später gelangen wir nach Røldal, im Winter ein Skigebiet.

Oben vom Lift aus sehen wir einen Campingplatz am See. Riesige Wiese, Strand, luftiges Parken. Wir sind uns sofort einig. 😀

Endlich sitzen wir entspannt in Berthas Schatten, Kaffeepause…. und Zeit!

Als ein Stück Melonenschale im Gras landet, springt Teo drauf: Seins!

Wir gucken verdutzt. Keiner von uns hat je einen Hund Melone essen sehen 😀 😀

Zur Feier des Tages und fürs Wohlbefinden beschließen wir zu grillen. Ben bereitet das Holz vor, Ronny den Grill. Ein zauberhaftes Miteinander entfaltet sich. 😉

Plötzlich zieht ein heftiger Windstoß durch unsere Entspannung und ich schaue nach oben.

Kommt das?

Oh, definitiv.

„Ronny, guck mal. Lass den Grill noch aus!“

„Katrin! Ich habe gerade alles vorbereitet. Das zieht vorbei!“

„Okay.“

Wir haben es uns lieber drinnen gemütlich gemacht und warten auf das Abendessen. Nicht einmal der Hund will raus… jetzt grinse ich hämisch. 😀

Was das Vorbeiziehen betrifft, sollte Ronny gewissermaßen recht behalten: Aktuell zieht das dritte Gewitter über unsere Köpfe hinweg. 😛

Herrlich frische Luft und endlich sind wir die quälenden 30 Grad los! 🙂

Fjordfreie, zügig fahrbare 300 Kilometer trennen uns noch von Kristiansand. Wahrscheinlich bleiben wir morgen noch hier.

Übrigens: Bei unseren vielen Fährüberfahrten und Fahr-Erwägungen haben wir festgestellt, wenn man die großen Fähren online auf norwegisch bucht, sind sie tatsächlich billiger.

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