Tag 15 … Das Ende der Wildnis

Von unserem idyllischen Übernachtungsplatz nehmen wir Kurs auf Vilhelmina.

Eigentlich wollten wir nochmal ins Innere des Wildnisweges zum Borgafjäll. Laut Broschüre gibt es dort neben toller Landschaft eine samische Siedlung und Kunsthandwerk. Ein erneuter Kulturversuch.

Doch plötzlich weist am Straßenrand ein Schild auf einen Aussichtspunkt hin. Wir biegen ab zur Stalonberget utsikt.

Herrlich! Das hat sich gelohnt. Hier oben treffen wir eine schwedische Familie. Sie befahren den Vildmarksvägen in anderer Richtung und wir tauschen uns über die Strecke aus.

So erfahren wir, dass unser geplanter 140 km langer „Umweg“ ins Innere nichts bringt, wenn man nur wegen der samischen Kulturstätte dahin fährt. Es wäre ähnlich verlassen, wie in Ankarede. Da haben wir mehr von dem samischen Museum in Vilhelmina.

Wir nehmen den Hinweis dankend an und ändern unseren Kurs. Kurz vor Vilhelmina begegnet uns die erste touristisch aufbereitete Einkehrmöglichkeit. Eine Räucherei mit Boutique und Restaurant.

Alles was bei uns aus Schwein gemacht wird, liefert hier der Elch. Der wilde Beigeschmack ist unverkennbar. 😉

Im Souvenir-Laden gibt es immerhin samische Messerkunst. So ein Ding muss es jetzt sein für Ben. Ich schlage ein kleines vor. Ben lacht, Tim schneidet sich sofort. Ich verbiete den Messerkauf. Wir gehen zurück zur Bertha, die Wunde versorgen.

Nach Pancakes mit Marmelade und Eis ist der größte Schmerz vergessen. Ich habe mein Kaffeetrinken derweil in die Bertha verlegt, da in diesem ganzen Restaurant mit großer Opferauswahl eine einzige Mücke nur mich unter dem Tisch 6x gestochen hat.

Schließlich kommen die Jungs mit Messer zurück. Ronny kann man ja wunderbar beschwatzen und Ben weiß ganz genau, wie er es machen muss.

„Mama, sag nichts, ich arbeite dafür!! 3 Stunden (á 5€) zusätzlich habe ich mit Papa vereinbart und mein ganzes Urlaubsgeld von Oma gebe ich auch noch dazu.“

Und Ronny: „Katrin, sag nichts, ich habe mit Ben jetzt einen Kreditvertrag…“

„Ja, Mama, wir sind uns ganz einig!“

Ich schlage vor, dass wir das Messer mit heim nehmen und er es bekommt, wenn er gearbeitet hat. Sehr genau erinnere ich mich nämlich, dass er so einige Kreditsachen laufen hat! 😉

„Oh Mama, nee, das ist jetzt zu spät. Wir haben es schon mit Handschlag besiegelt!“

… da kann man natürlich nichts mehr machen, ist klar… 😀

Für Tim fallen die scharfen Sachen jedoch definitiv aus. Er durfte seine Elch-Familie vergrößern.

In Vilhelmina angekommen, stoppt Ronny beim Angelladen und findet Ersatz für seine gestern zerstörten Teile. Heute will er sich erneut an die schwedische Fischereitechnik wagen.

Doch zunächst suchen wir die Touristeninformation auf, um herauszubekommen, wer die Quad-Touren hier anbietet. Ben redet seit Tagen davon.

Auch das Sami-Museum ist gleich um die Ecke.

Das war es auch schon. Ein paar nachgebildete Hütten und eine schwedische Infotafel. Enttäuscht ziehen wir weiter. Die touristische Aufbereitung der lokalen Attraktionen ist echt ausbaufähig.

Nachdem wir ein wenig durch Vilhelmina gefahren sind, beim Coop unsere Vorräte teuer aufgefüllt haben und der Quad-Tour-Veranstalter via Facebook antwortet, dass er derzeit in Italien urlaubt, seine Touren eher für den Winter ausgelegt sind und wir dann wiederkommen sollen, reicht es uns.

Wir beschließen, das Unterfangen schwedische Wildnis an dieser Stelle zu beenden.

Unsere Frustration darüber nichts oder kaum etwas von dem tun zu können, was wir uns eigentlich vorgestellt haben, gipfelt. Entweder lähmt uns dieses Viehzeug oder die falschen touristischen Angaben… Es nervt einfach nur noch.

Lagebesprechung mit Freund Google.

Fazit: Wir fahren direkt runter nach Östersund und von dort über Åre (Bikepark) nach Trondheim in Norwegen.

Um irgendwie Bewegungsfreiheit zu erlangen, müssen wir von dem Viehzeug weg. Am Meer sind keine Mücken.

Da wir uns von der schwedischen Küste nicht viel versprechen, die überfüllten Campingplätze kennen, wollen wir es wenigstens mit neuer Landschaft versuchen. Hierfür scheint uns die E39 von Trondheim nach Kristiansand mit einem Abstecher über die Atlantikstraße geeignet.

Von Kristiansand wollen wir mit der Fähre an die dänische Spitze nach Hirtshals übersetzen und an der Westküste hinab bis Vejers Strand fahren.

Das ist jetzt erstmal grob der neue Plan.

Heute Nacht lagern wir hoffentlich zum letzten Mal bei geschlossenen Fenstern am „idyllischen See in Schwedens Wäldern“.

Schweden im Sommer – nie wieder!

PS: Aufgrund von extremen Mückenbefall hat Ronny seine Angelversuche nach 10 min eingestellt. Auch das neue, giftigere Moskito-Repellent hat versagt.

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