Tag 13 … Über der Baumgrenze

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass nach der letzten Nacht, ein so schöner Tag folgt!

Bis Mitternacht haben uns die Fliegen in Atem gehalten. Schlussendlich haben wir wirklich jede Ritze so dicht, wie möglich verschlossen und drinnen unter der Klimaanlage gesessen, um nicht zu erschwitzen.

Um 2 war die Nacht zunächst vorbei. Hinten bei uns ständig neue Mücken drin, dabei war kein Fenster offen. Das Drama ging bis 3, dann schrien die Kinder vorn im Alkoven…. auch alles voller Mücken.

Um 4 habe ich Ronny gebeten, weiterzufahren, aber der musste erstmal schlafen…. Und dann ENDLICH schlug das Wetter um. Wind kam auf und rüttelte an der Bertha – alles Getier verschwand. Total erschöpft sanken wir in die Betten und haben noch bis 9 geschlafen.

Vormittags war es dann richtig schön und ich konnte endlich gemütlich am See sitzen. Nach Aufbruch stand mir so gar nicht der Sinn, aber es gab schließlich noch viel zu entdecken.

Also weiter geht es nach Ankarede, einer Samensiedlung. Ich lechze nach etwas Kultur. 😉

Offensichtlich kennt man hier im hohen Norden das Nagel-Spiel, welches mein Opa gerne machte: Mit der Finne (Spitze Seite vom Hammer) den Nagel mit einem Schlag so tief, wie möglich versenken.

Wer seinen Nagel mit den wenigsten Versuchen zuerst im Baumstamm hat, ist der Sieger. Man kann die einzelnen Schläge an Schnäpse koppeln…. ob die Samen das auch so spielten, wer weiß. 😉

Weiter geht es zu einem kleinen Wandergebiet: Bjurälven.

Ronny ist der Meinung, was Snowmobile im Winter können, schafft er im Sommer mit dem Rad und beschließt den 6 km langen Hiking-Trail mit dem Bike zu bezwingen. Nach 1,5 km wird er eines Besseren belehrt.

Da uns die Mücken und vor allem „Knots“ wieder plagen, beschließen wir weiter Richtung Stekkenjokk und damit höher ins Gebirge zu fahren.

Knots sind übrigens kleine Fliegen. Etwa ein Viertel so groß, wie unsere normalen Hausfliegen. Anfangs haben wir sie als ungefährlich eingestuft und ignoriert.

So saß auch Teo zwei Stunden angeleint vorm Wohnmobil…. sind ja nur Fliegen. Beim Zerklatschen im Auto fiel auf, dass ziemlich viel Blut in den Viechern ist – unser aller Blut! Und das vom bäuchlings völlig zerstochenen Teo.

Bei seiner Radtour hatte Ronny zwei Schweden getroffen, die ihm erklärten, dass es dieses Jahr wohl besonders schlimm sei mit dem Viehzeug. Im September sei es besser.

Und unsere Mückenmittel helfen hier nicht, nur die ganz harte Chemie oder das Teerzeug der Einwohner.

Das konnten wir nebenbei in einem Laden Probe riechen: Eine Mischung aus Teer, verbranntem Holz und noch einer undefinierbaren Einsamkeitskomponente. Absolut nicht tauglich für das soziale Miteinander. 🙂

Aber für den, der hier oben in dem Wäldern wohnt und mit seinen ebenso riechenden Leuten unterwegs ist, wird es gut sein.

Wir haben die Bäume hinter uns gelassen und auch den Handyempfang.

Auf einem kleinen Aussichtsplateu stehen schon ein paar Camper. Wir parken für die Nacht ebenfalls hier.

Im Winter lag die Schneehöhe bei 7m. Das erklärt auch, weshalb die kleine Schutzstation aus Beton hier steht.

Ausgestattet mit Erster Hilfe, einem Nottelefon, Decken, Kerosin etc. bietet sie bei Wetterumschwung oder anderen Ernstfällen Herberge.

Kristallklares Wasser.

Nach einem leckeren Abendessen, kommen auch hier wieder die Mücken.

Wieder eine andere Art: Der Stechrüssel ist extrem lang und wird direkt beim Anflug schon eingesetzt.

Hört man sie summen, ist es eigentlich schon zu spät. Und die stechen auch einfach mal durch mehrere Lagen Kleidung.

Deswegen tragen hier oben alle diese Fjäll Räven Klamotten aus G-1000 Stoff. Der ist nämlich stichdicht. Zufälligerweise hat Ronny nur solche Hosen, wie praktisch für ihn. 🙂

Den restlichen Abend haben wir ganz anders verbracht als gedacht. Als „Betthupferl“ sollten wir heute erfahren, weshalb einst die Sicherung der Toilette Probleme machte.

Genau jetzt, hier oben in der totalen Abgeschiedenheit, ging nämlich gar nichts mehr nachdem Tim erfolgreich sein Tagesgeschäft abgesetzt hatte.

Die nächsten zwei Stunden verbrachte Ronny mit der Entleerung, der kompletten Demontage des Klos in alle Einzelstücke und schließlich mit der Säuberung des Zerhäckslers von feuchtem Toilettenpapier. Das war der Übeltäter! Dieses darf nämlich nicht ins Klo, sondern muss extra entsorgt werden. Aber wie das eben so ist… mit Kindern….man sagt es ihnen vorher… und dann tun sie es trotzdem. Zum Schluß ist es natürlich keiner gewesen. Das-weiß-ich-nicht und Das-war-ich-nicht, die beiden Schelme, reisen hier wie gewohnt ebenfalls mit.

Ronny bekommt es wieder hin und alles funktioniert einwandfrei. Jetzt ist Nachtruhe angesagt. 😉

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